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„Warum hat es nicht funktioniert?“ Emiras lief wie ein Verrückter im Kreis und schritt dann wieder auf und ab. „Ich war mir so sicher!“
Golradir sagte nichts. Er war überglücklich, dass es nicht funktioniert hatte. Wie sich das angefühlt hätte, das hatte er am eigenen Leib erfahren – als er vor einigen Tagen von der Rückkehr nach Sternenmond geträumt hatte und schweißgebadet aufgewacht war, den Blick Königin Alysias noch immer im Kopf, den Schmerz noch immer in seinem Herzen. Schnell war er in jener Nacht hinüber zu Darian gelaufen, hatte sich davon überzeugt, dass die Haare dunkel und die Lippen voll waren. Emiras Plan hatte nicht funktioniert. Und Golradir war dankbar dafür.
Sie standen ein weiteres Mal verschwörerisch mitten in der Nacht im Wald. Die letzte Nacht vor der Rückkehr nach Sternenmond. Emiras und Liam hatten die Reise dorthin schneller hinter sich gebracht als geplant. Sie waren unermüdlich geritten, hatten die Urne im Brunnen versenkt und waren Golradir dann wieder entgegen gekommen, um sich davon zu überzeugen, dass sich irgendetwas verändert hatte. Doch nichts hatte sich verändert.
Und die Erklärung, die Golradir Emiras gab, klang mehr als einleuchtend. Er hatte schließlich auch viel darüber nachgedacht und sich diese Sätze sorgfältig zurechtgelegt:
„Emiras, es konnte nicht funktionieren. Wir drei sind nicht mehr in der Zukunft. Wir sind hier. Und deshalb können wir in der Zukunft nichts mehr ändern. Dies hier ist schon lange nicht mehr unsere Vergangenheit. Dies hier ist unsere Gegenwart. Unsere Zeit. Nur hier und jetzt können wir etwas ändern. Nicht gestern und nicht morgen. Nur heute. Hier und jetzt, denn nur hier sind wir und werden wir jemals wieder sein… Sieh es ein – wir haben den Lauf der Zeit einmal geändert. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Doch wir sollten dankbar sein, dass wir nicht noch mehr Schaden angerichtet haben. Wir haben mit dem Feuer gespielt und es irgendwie geschafft, dass nicht alles in Flammen aufgegangen ist. Und damit müssen wir es gut sein lassen. Den Lauf der Zeit sollten wir niemals wieder manipulieren. Nur das Hier und Heute – das werden wir beschützen, solange wir hier sind. Und wir werden wohl Schüler ausbilden müssen, die mit dem weiter machen, was wir begonnen haben. Und mein erster Schüler wird Darian sein, mein Sohn, der künftige König von Grünbergen und Kupfergrund.“
Emiras hatte sich damit abgefunden. Hatte tief durchgeatmet und die Hand ausgestreckt. Sie hatten sich die Hände zum Gruße gereicht nach der geheimen Art und Weise, in der sich die Mitglieder ihrer Bruderschaft erkennen. Dann hatten sie sich verabschiedet. Der Ring des Chronos würde durch sie weiterleben. Und jeder von ihnen würde sein bestes geben, das Leben zu beschützen, das ihn umgab. Und diese Aufgabe war groß genug. Und diese Aufgabe würde alle Zeiten überdauern.

Die Sonne ging auf. Langsam aber sicher streckte sie sich aus ihrem Himmelbett und schickte die ersten Strahlen warmen Lichtes über die Gipfel der Berge. Golradir war nicht mehr schlafen gegangen, nachdem Emiras und Liam fortgeritten waren. Er hatte sich hier am Rande des kleinen Wäldchens auf den Boden gesetzt und zugesehen, wie das Licht der Sterne schwächer wurde und der dunkle Himmel immer heller, wie die Welt zum Leben erwachte. Er stand auf und ging langsam zu der kleinen Hütte hinüber, in der sie die Nacht verbracht hatten. Darian war bereits wach.
„Nun geht die Reise zu Ende, Prinz Darian“, sagte Golradir. „Ich hoffe, ich konnte Euch ein guter Mentor sein und Euch ein klein wenig beibringen. Über die Welt, in der wir leben. Und über Euch selbst.“
Darian lächelte.
„Ja, Golradir, das konntet Ihr. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf mein Zuhause. Auch wenn ich nicht weiß, wie es sich dort nach diesen Jahren der Wanderschaft anfühlen wird. Aber ich bin auch aufrichtig traurig, dass diese Reise zu Ende geht. Ihr bleibt doch weiterhin unser aller Berater auf Burg Sternenmond, richtig?“
„Natürlich, Darian. Ich werde bei euch bleiben.“
„Da sind nämlich noch viele Fragen, auf die ich Antworten suche. Ich habe viel von der Welt gesehen und über sie gelernt. Und über mich – da habt Ihr Recht. Aber ich weiß noch immer nicht viel mehr über Euch. Glaubt nicht, dass ich vergessen habe, dass Ihr mir immer ausgewichen seid, wenn ich Euch danach gefragt habe.“ Er lächelte. „Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so. Ihr werdet Eure Gründe haben, warum Ihr über eure Vergangenheit schweigt. Vielleicht wird irgendwann der Tag kommen, an dem Ihr mir darüber berichten könnt.“
Golradir blickte ihn lange an. Dann nickte er langsam und lächelte:
„Ja, das hoffe ich auch. Von ganzem Herzen.“
Dann ritten sie los. Die Kutsche war voll beladen. Sie schwiegen viel auf den letzten Kilometern, die sie von ihrem Ziel trennten. Bald schon konnten sie die hohen Felsen am Rande der grünen Wälder erkennen. Und da – weit in der Ferne auf dem höchsten Felsen, da sahen sie schon schemenhaft die Umrisse von Burg Sternenmond. Nun war es nicht mehr zu ändern. Die Reise ging zu Ende.
Einige Kilometer noch auf flachen Straßen, dann die ersten sanften Steigungen und schließlich die schattigen, eng verschlungenen Kurven des Zufahrtsweges bis hoch zum großen Burgtor.
Golradir spürte einen Kloß in seinem Hals. Merkwürdigerweise machte er sich erst jetzt Gedanken darüber, was nun geschehen würde. Wie würde ihn Königin Alysia in Empfang nehmen? Hatte sie ihn gar vergessen über all die langen Monate oder hatte sie ihn im Gegenteil sehr vermisst? Würde sie sich offiziell verhalten oder würde sie auf die Etikette verzichten und ihn wieder umarmen? Würde sie sich erinnern, was das letzte Mal geschehen war, als sie ihn umarmt hatte?
Seine Sorgen erwiesen sich zunächst als unbegründet. Kein großes Empfangskomitee wartete auf sie. Man ließ ihnen bestellen, dass sie die Königin in ihren privaten Gemächern aufsuchen sollten. Schnellen Schrittes liefen sie also durch die langen Korridore der Burg, kamen dann an die große hölzerne Pforte, die von zwei Soldaten bewacht wurde. Diese deuteten eine Verbeugung an und ließen Golradir und Darian eintreten. Und da stand die Königin im Schein der untergehenden Sonne, deren Strahlen sich durch die bunt verzierten Fensterscheiben brachen. Golradir hatte fast vergessen, wie schön sie war. Oder war sie über die letzten zwei Jahre noch schöner geworden?
Darian lief zu ihr hinüber und nahm sie in die Arme. Sie flüsterten, begrüßten sich und Golradir meinte, ähnliche Wortfetzen zu hören, wie in seinem Traum vor einigen Nächten. Alysia trat einen Schritt zurück und sagte:
„Lass dich ansehen, Darian – du bist wirklich groß geworden.“
„Ja, Mutter, das stimmt“, unterbrach Darian. „Sag, wo ist Vater?“
Alysias Blick wurde für einen kurzen Moment finster. Doch schnell kehrte ihr Lächeln zurück.
„Er ist mal wieder unterwegs. Er hat sich nicht geändert in den letzten zwei Jahren. Im Gegensatz zu dir. Als du gegangen bist, da warst du… anders. Die Reise hat dir gut getan, habe ich Recht?“
„Ja, ich glaube schon. Golradir war mir der beste Begleiter, den ich mir hätte wünschen können.“
Jetzt erst sah Alysia zu Golradir hinüber.
„Oh, mein Gott, Golradir, wie unhöflich von mir. Entschuldigt bitte. Da steht Ihr so still und unbewegt herum. Kommt her, lasst Euch begrüßen!“
Sie streckte die Arme aus und kam auf Golradir zu. Auch er setzte einen Fuß vor den anderen, so gut ihm das möglich war, ohne zu Stolpern. Dann schloss sie ihn in die Arme und seine verschütteten Gefühle waren schlagartig wieder da, wie durch einen unsichtbaren Schalter angeknipst, die gleiche Wärme, die gleiche Verzweiflung – es war alles wieder da. Und er erwiderte die Umarmung. Diesmal ließ die Königin ihn nicht sofort los. Ob es wenige Sekunden oder endlose Minuten waren, wie sie da so eng umschlungen standen – Golradir wusste es nicht. Doch die Zeit interessierte ihn nicht. Nicht in diesem Moment.
Darian war herangetreten und räusperte sich. Alysia löste die Umarmung, trat wieder einen Schritt zurück und sah auch Golradir aufmerksam an. Und endlich war da auch wieder dieser Blick, dieser alles durchdringende Blick aus ihren bezaubernden Augen, der bis tief in Golradirs Herz zu sehen vermochte.
„Danke, Golradir. Ich danke Euch von ganzem Herzen. Wir werden heute Abend ein Willkommensmahl halten, nur in kleinstem Kreise – und dann werden wir Euren Geschichten lauschen. Ich bin froh, dass ihr wieder da seid. Ihr beide.“
Sie trat noch einen Schritt zurück und sah sie an, die beiden Männer, wie sie so nebeneinander standen. Im Licht der goldenen Abendsonne in den prunkvollen Gemächern der Königin. Darians Haare waren lang geworden. Er trug sie offen, genau wie Golradir. Seine Gesichtszüge waren härter geworden und das Kindliche war beinahe ganz aus seinem Gesicht gewichen. Er war gewachsen, seine Arme und sein Oberkörper wirkten gestählt von der Arbeit und den Anstrengungen der letzten Monate. Alysias Blick wanderte von einem zum anderen. Und Golradir begriff. Sein Blick wurde nervös und er sagte schnell:
„Wir sollten uns noch ein wenig ausruhen und uns für das Willkommensmahl vorbereiten, Königin.“
Hastig verbeugte er sich und verließ die Gemächer schnellen Schrittes. Die nächsten Tage könnten durchaus interessant werden, dachte er bei sich. Seine Schritte wurden langsamer, er begann, tief durchzuatmen und ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Urplötzlich wusste er, dass er nichts zu befürchten hatte und alles gut werden würde. Zum ersten Mal seit langem fühlte er etwas, das sich anfühlte, als würden die vielen Zahnräder in seinem Kopf, in seinem Herzen und in seinem Körper einige Gänge zurückschalten und einfach nur in hellem Glanz erstrahlen.
Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter und es verschwand auch nicht, als er in seine eigenen Gemächer eintrat, in denen Hailal schon ein warmes Kaminfeuer vorbereitet hatte. Alles war so, wie er es verlassen hatte. Mit dem einen Unterschied – es fühlte sich so sehr nach seinem Zuhause an wie noch nie zuvor.
Er trat vor das offene Kaminfeuer und blickte in die Flammen. Dann zog er ein kleines Stück Pergament aus seiner Tasche, eng beschrieben mit schwarzer Tinte. Er trat noch näher an das Feuer heran, ging in die Knie und legte das Pergament vorsichtig an den Rand der brennenden Scheite. Er sah zu, wie sich die Hitze des Feuers langsam in das Pergament fraß und schließlich nichts als ein kleines Häufchen Asche zurück ließ. Leise sagte er zu sich selbst:
„Wie um alles in der Welt hätte dich töten sollen, Darian!“

m.k.
Der Erbe der Koenigin - Teil 3
Und hier nun Teil 3 der Fortsetzung vom "Erben des Königs". Tja, Zeitreisegeschichten machen Knoten in Gehirne. Die dritte Fortsetzung wird gänzlich ohne auskommen! ;-)

Teil 1 hier: eisengrind.deviantart.com/art/…
Teil 2 hier: eisengrind.deviantart.com/art/…

Die ursprüngliche Geschichte unter anderem auf meiner Seite www.chaos-prinz.de - und hier in diesem Buch:

www.lulu.com/shop/michael-k…
Loading...
...ist auch fertig! 

Nach ewig langer Vorarbeit und ständigen Unterbrechungen (blödes Real Life - ihr kennt das!) ist mein zweites Buch jetzt endlich fertig und käuflich über Lulu zu erwerben. Im Gegensatz zum ersten Buch ist es keine gesellschaftskritische Gedichte-, Geschichten- und Fabelsammlung sondern ein reiner Kurzgeschichtenband mit meinen "Alptraumsequenzen". Sieben Stück und eine geheimnisvolle achte dazu...

Zu kaufen hier:


Und immer aktuell informiert über meine literarischen Ergüsse abseits von DA hier:


und


Schaut mal rein!

Gruß

:iconeisengrind:


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eisengrind
m.k.
Artist | Hobbyist | Literature
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"Eisengrind" ist ein dämonischer Hund, der in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig kleine Kinder entführt... So oder so ähnlich...

Ich könnte ja behaupten, ich hätte mich bewusst für dieses Pseudonym entschieden - Tatsache ist aber, dass es bei 13 Millionen Usern schier unmöglich war, ein Pseudonym zu finden, das nicht bereits in Benutzung ist... Das gesamte Online-Dämonenlexikon habe ich sogar dafür gewälzt!

Und irgendwie blieb am Ende nur der EISENGRIND... Klingt geheimnisvoll und enorm lustig zugleich - passt also ;-)

Current Residence: Germany
Favourite genre of music: Gothic & Mittelalter
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:icontearsforangels:
tearsforangels Featured By Owner Mar 30, 2014  Hobbyist
Danke für die Affliate mit   :iconheartofoursoul: Thank You Hearts Sign 


Und Wilkommen bei HeartOfOurSoul  You're Welcome Speech Bubble 1 - BeemoteYou're Welcome Speech Bubble 2 - Beemote 
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:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Nov 21, 2013  Hobbyist Writer
Hallo.
Seit neustem erstelle ich Hörbücher auf Youtube. Als Vorlage dienen sowohl meine Werke, als auch die von anderen.

Solltest du Interesse haben, sieh dir bitte diesen Blog an: einsamer-wanderer.deviantart.c…
Reply
:iconeisengrind:
eisengrind Featured By Owner Jan 10, 2014  Hobbyist Writer
Ich habs nicht vergessen, dass du mir das geschrieben hast - bin nur noch nicht dazu gekommen, mir das genauer anzuschauen... Weißt ja: Scheiß normales Leben. Will auch immer einen Teil meiner Zeit haben. Ts, ts, ts...
Reply
:iconpowderwords:
PowderWords Featured By Owner Apr 14, 2013  Professional Writer
Vielen Dank für die schnelle Aufnahme, freut mich.
Reply
:iconeisengrind:
eisengrind Featured By Owner Apr 23, 2013  Hobbyist Writer
Wir freuen uns, dass du da bist! ;-)
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Mar 28, 2013  Hobbyist Writer
Ich mache auf meinem Profil gerade eine Umfrage, wie die Promoaktion so ankommt und würde mich über deine ehrliche Meinung in Form einer Stimmabgabe freuen.
Vielen Dank.
Reply
:iconeisengrind:
eisengrind Featured By Owner Apr 6, 2013  Hobbyist Writer
Es ist geschehen!
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Apr 6, 2013  Hobbyist Writer
Sollte das jetzt episch sein?
"Die Tat ist vollbracht!", klingt da um einiges besser. Außerdem kann man da noch so schöne Adjektive wie "glorreich" oder so einsetzen. Dann würde es richtig episch klingen.
Reply
:iconeisengrind:
eisengrind Featured By Owner Apr 11, 2013  Hobbyist Writer
Frag mich nicht, was das sein sollte... Eine Laune der Natur! ;-)
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Jan 14, 2013  Hobbyist Writer
Hey, M.
Du bist mein nächstes Opfer bei der Promo-Aktion.
Wäre also nett wenn du es dir einmal ansehen würdest. Kannst darunter übrigens auch einen Kommentar dalassen, worüber ist eigentlich wurst, da dieser Eintrag nur für dich ist.
Hier der Link: [link]
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